„Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“ – Pippi Langstrumpf

Vorfreude schüren und Wartezeit verkürzen- ein paar Ideen und Anregungen für den Alltag

Meine Kinder sind ja 7 und 4 Jahre alt.  Sie haben noch kein ausgeprägtes Zeitgefühl. Der Kleine nur in Form von vorher und nachher. Wir arbeiten uns gerade an gestern und morgen ran. Einmal und zweimal schlafen liegt schon in seiner Vorstellungskraft. Bei meiner Großen reicht das Zeitgefühl inzwischen dazu, einschätzen zu können was der ungefähre Zeitunterschied zwischen  5 Minuten und 5 Stunden ist. Auch für die Zeitspanne „von Montag  bis Freitag“ kann sie überblicken.  Bei Monaten hört das Zeitgefühl dann allerdings auf. 

 

Nicht überraschend daher, dass die eine Frage in Variationen regelmäßig auftaucht: „Wann ziehen wir denn nochmal um?“ , „Ziehen wir bald um?“ , „Ziehen wir morgen um?“....

Wenn wir als Eltern nicht gefühlte 100 Mal auf die Frage antworten möchte, müssen wir also versuchen, unseren Kindern den Zeitraum anschaulich zu machen, ähnlich wie bei der Wartezeit vor Weihnachten. .  

Was für 24 Tage funktioniert,  kann auch für große Zeiträume funktionieren: ein Umzugscountdown

Wer Spaß am Adventskalenderbasteln hat kann tatsächlich jeden Tag des Countdowns eine kleine Überraschung für die Kinder einpacken. Für die größeren Kinder können das z.B. Fragen oder Wissenswertes zum zukünftigen Heimatland sein. Wer nicht so kreativ ist oder nicht so viel Zeit hat kann auch einfach einen ganz normalen Kalender nehmen, an dem die Tage bis zum Umzug markiert sind und abgehackt werden oder den Countdownkalender vom kleinen Hasen Löwenzahn gratis hier herunterladen. Wir haben ein Maßband besorgt und jeden Tag darf ein Zentimeter abgeschnitten werden. So wird die Wartezeit bildlich verkürzt. Und wie auch bei Weihnachten gilt:

Vorfreude ist die schönste freude!

Um die Vorfreude zu schüren, haben wir ein paar Reiseführer besorgt und mit den Kindern  schon Ideen gesammelt was wir alles machen  können. 

Auch Dinge , die die Kinder gerne machen, aber die am jetzigen Wohnort nicht umzusetzen sind, eignen sich ganz wunderbar dazu die Vorfreude zu schüren. 

Mein Sohn beispielweise würde am Liebsten das ganze Jahr hindurch kurze Hosen tragen. In Deutschland leider nicht möglich. In Kalifornien schon eher. 

Im Moment haben wir auch nur eine Dusche und keine Badewanne im Haus. Die Kinder lieben es bei Oma und Opa in der Badewanne zu planschen. Dass durch den Umzug jetzt wieder die Möglichkeit besteht ein Haus mit Badewanne zu finden lässt den Umzug in ganz neuem Licht erscheinen. 

Auch Pläne schmieden für das neue Kinderzimmer hilft, der anstehenden Veränderung etwas positives abzugewinnen. 

Die eigene positive und offene Haltung überträgt sich auch auf die Kinder

 Wir als Eltern können uns ausmalen was wir gerne im neuen Land mal machen/ausprobieren/haben wollen und es mit unseren Kindern teilen.  Bei uns ist das zum Beispiel Surfen ausprobieren, Spanisch lernen und ein Cabrio kaufen. Für „das Auto ohne Dach“ konnten wir auch unsere Kinder begeistern- noch ein Grund mehr sich auf den Umzug zu freuen!

Natürlich ist nicht alles nur pure Vorfreude während der Countdown zum Umzug läuft. Traurigkeit und Sorgen dürfen und müssen auch Ihren Raum bekommen. Der Fokus sollte aber auf einem positiven Ausblick in die Zukunft liegen. 

Wie kriegen wir es also hin, die Sorgen und Ängste ernst zu nehmen aber dennoch positiv zu bleiben ?

Den Spagat zwischen Vorfreude und Trauer Meistern

Verständnis und Empathie helfen auf jeden Fall. Oft neigen wir dazu die Sorgen und Trauer der Kinder klein zu reden, damit diese Sorgen und die Traurigkeit nicht das positive Bild des Umzugs trüben. Gerade mit Blick auf Problemlösungsstrategien und Resilienz (Grundlegendes dazu habe ich in meinem Blogartikel vom Januar geschrieben) ist es aber wichtig, die Sorgen und Trauer aufzugreifen und gemeinsam mit den Kindern zu überlegen, wie die Sorge bzw. Trauer - im besten Fall-  aus der Welt geschafft werden kann oder zumindest abgemildert werden kann.

Bei uns beispielsweise herrscht große Traurigkeit weil wir Abschied von unserem heiß geliebten Wohnwagen (Baujahr 89) nehmen müssen, in dem wir tolle, gemeinsame Urlaube verbracht haben und den wir nicht mit in die USA übersetzen werden. Wir haben den Kindern gesagt, dass wir in den USA einen Wohnwagen mieten können (was natürlich nicht dasselbe ist, denn so einen schönen Wohnwagen wie unseren gibt es natürlich nur einmal). Außerdem werden wir ein Campingabschiedswochenende zelebrieren und als Andenken die Schlafsäcke und die Hängematte behalten. Das haben wir mit den Kindern so abgesprochen. Ganz verflogen ist die Traurigkeit deswegen nicht, aber wir konnten sie abmildern. Wir werden die Hängematte in unserem Garten in San Diego aufhängen. so schaffen wir es tatsächlich einen Lieblingsort "miteinzupacken", was ja bei den meisten Lieblingsorten nicht möglich ist. Wenn ihr auch einen solchen Lieblingsort zum Einpacken sucht: hier findet ihr eine große Auswahl an Hängematten . Natürlich versuchen wir die Abschiede möglichst gering zu halten, weshalb wir auch bei den Kindern in den Zimmern nicht ausmisten werden (dazu mehr in diesem Blogbeitrag), aber das ist natürlich nicht immer möglich.

Auch dass einige Kinder sich mehr Sorgen machen als andere kann man nicht verhindern. Sollten eure Kinder von übermäßig vielen Sorgen, Ängsten oder gar Alpträumen geplagt werden, bieten vielleicht die folgenden Klassiker einen Weg damit umzugehen: 

Der Klassiker gegen Sorgen und ÄNgste: Sorgenfresser, Sorgenpüppchen und die Geschichte vom Traumfresserchen

Für ältere Kinder sind hier vielleicht die Sorgenfresser interessant: die Sorgen werden am Abend auf einem Zettel notiert und  über eine Reisverschlussöffnung (der Mund des Sorgenfressers) in den Sorgenfresser gesteckt. Der Sorgenfresser „frisst die Sorgen auf“ und hat sie bis zum nächsten Morgen „verdaut“ (bzw. die Eltern haben das Zettelchen entnommen). Das Schöne daran ist, dass wir Eltern dadurch auch die Sorgen und Ängste der älteren Kinder mitbekommen, wenn wir einen Blick auf die Zettel werfen, bevor wir sie entsorgen. Wir können so bestimmte Sorgen nochmal aufgreifen, indirekt bei der Bewältigung unterstützen oder uns Gedanken über Lösungsmöglichkeiten machen.  Die Sorgenpüppchen (eine Tradition aus Südamerika) bieten sich für jüngere Kinder an, da die Kinder hier nichts aufschreiben müssen, sondern der Puppe am Abend ihre Sorgen erzählen und sie dann unter das Kopfkissen stecken, damit die Puppe dann die Sorgen über Nacht verschwinden lässt. 

Für den seltenen Fall, dass die Sorgen die Kinder bis in den Schlaf verfolgen und als Alpträume ihr Unwesen treiben, habe ich erst vor kurzem wieder die Geschichte vom Traumfresserchen entdeckt. Sie eignet sich besonders gut als Gute-Nacht-Geschichte, wenn die Kinder eine Phase mit Alpträumen durchleben.  

Kleinere Kinder haben allerdings Gott sei dank häufig noch nicht den Weitblick, um sich Sorgen zu machen, aber es kommt durchaus vor dass vereinzelt Ängste geäußert oder sichtbar werden. Zum Beispiel die Angst sein Spielzeug abzugeben. Hier hilft es, die Situation – in diesem Fall zum Beispiel das einpacken des Spielzeugs in Umzugskartons- zu erklären und durchzuspielen. Mit den Kleinen kann man hier den lieben langen Tag Spielzeug ein- und auspacken spielen. In meinem Umzugspuzzle (in meinem Shop als Bastelbogen zu erwerben) wird auch deutlich, dass die Spielzeuge alle unversehrt wieder auftauchen, nachdem sie in Umzugskartons und im Laster verschwunden sind. 

Am Ende wird hoffentlich bei allen die Freude die Trauer  und Sorgen  überwiegen. Und alle werden hoffentlich dem Umzug gelassen entgegen blicken,  und sich wie Pippi Langstrumpf denken: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“